Das Energieeffizienz-Netzwerk am Chemiestandort Bitterfeld-Wolfen vereint eine Reihe von Unternehmen, die einen durchaus hohen Bedarf an Energie haben. Gemeinsam wollen sie den traditionsreichen Standort zukunftssicher voranbringen. Immerhin siedelten sich in Bitterfeld-Wolfen bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts erste Firmen der Branche an. Umso wichtiger ist es, sich auch heute durch effizientes Handeln und mit innovativen Lösungen im weltweiten Wettbewerb zu behaupten.
Schon in der ersten Runde des Netzwerks ab 2016 konnten erhebliche Energieeinsparungen verbucht werden. Die damals neun teilnehmenden Unternehmen haben bis 2019 18 Einzelmaßnahmen umgesetzt und so ihren Energieverbrauch um 5,35 GWh senken können. Damit erreichte das Netzwerk nach eigenen Angaben eine Minderung seiner Treibhausgasemissionen in Höhe von 1.935 Tonnen CO₂-Äquivalenten. Mithilfe der in der ersten Laufzeit umgesetzten Maßnahmen konnten in den Unternehmen zudem kontinuierliche jährliche Einsparungen von 4,46 GWh gesichert werden. Im Jahr 2019 ging es dann mit fast allen Teilnehmenden sowie neuen Mitgliedern in die zweite Runde. Dieses Mal sollten die Einsparungen fast verzehnfacht werden.
Die Teilnehmenden schätzen den intensiven Austausch und die daraus gewonnenen Erfahrungswerte.
Wolfgang Eger, envia THERM GmbH
Strom für 2000 Haushalte gespart
Im Lauf der zweiten Runde der Netzwerkarbeit erfolgte die Vertiefung der Themen Heizwärme und Warmwasser. Auch die Bereiche Prozesstechnik, Lüftung und Klimatechnik sowie Motoren und Antriebe spielten bei den Energieeffizienzmaßnahmen eine Rolle. Insgesamt setzten die elf beteiligten Unternehmen zwischen 2019 und 2022 ganze 54 Einzelmaßnahmen um. Sie erreichten damit gemeinsam eine Energieeinsparung von 45,07 GWh. Das entspricht dem jährlichen Strombedarf von rund 20.000 Haushalten, wie der Träger envia THERM GmbH betont.
„Und das“, so Netzwerkmoderator Wolfgang Eger von der envia THERM GmbH, „unter Corona-Bedingungen“. Das hatte die Zusammenarbeit in der zweiten Runde besonders gemacht. So fanden die Netzwerktreffen damals nach aktueller Lage entweder virtuell, hybrid oder in Präsenz statt. „Auf diesen Treffen stellten die Netzwerkteilnehmenden ihre eigenen Effizienzmaßnahmen und deren Ergebnisse vor und lernten durch den gegenseitigen Erfahrungsaustausch voneinander“, so Eger.
Eine zentrale Maßnahme, die umgesetzt wurde, war die Modernisierung der Gas- und Dampfturbinenanlage der envia THERM im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen. „Im Rahmen dieser Modernisierung wurden Energieverbrauch und Energiekosten gesenkt“, berichtet Eger. Bei gleicher Dampf und Stromproduktion wird so weniger Brennstoff verbraucht. Zugleich kann das Kraftwerk flexibler betrieben werden.
Steckbrief Energieeffizienz- und Klimaschutznetzwerk Chemiestandort Bitterfeld-Wolfen
- Typ
- Branchennetzwerk
- Netzwerkträger
- envia THERM GmbH
- Moderator
- Wolfgang Eger, envia THERM GmbH
- Laufzeit
- 1. Runde: Juni 2016 – Mai 2019 2. Runde: Juni 2019 – Oktober 2022 3. Runde: Oktober 2023 – September 2026
- Teilnehmer
- Allnex Germany GmbH, Bayer Bitterfeld GmbH, envia THERM GmbH, EVIP GmbH, Heraeus Quarzglas GmbH & Co. KG, Island Polymer Industries GmbH, WeylChem Organica GmbH, Trevira GmbH (Guben/Brandenburg) (1), Nobian GmbH, Dow Deutschland Anlagengesellschaft mbH (2), IAB Ionenaustauscher GmbH Bitterfeld (LANXESS-Konzern) (2), Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF (Innovations- und Technologieberater), BNWD Consulting GmbH (Fachberater Nachhaltigkeit und Klimaschutz) (3)
- Zusatzinfo
- (1) nur 1. und 2. Runde
(2) ab 2. Runde
(3) ab 3. Runde
Dekarbonisierung angestrebt
Die Netzwerkarbeit der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass die fachliche Ausgestaltung, die Einsparergebnisse und die Vernetzung der Unternehmen wichtige Wertbeiträge für den gesamten Chemiestandort sind. Schon für die zweite Runde konnten – neben den vorhandenen Teilnehmen den – neue Netzwerkunternehmen gewonnen werden. Mit der dritten Runde haben sich fast alle Teilnehmenden für eine Fortsetzung der Netzwerkarbeit ausgesprochen. „Die Teilnehmenden schätzen den intensiven Austausch und die daraus gewonnenen Erfahrungswerte“, so Eger. Die sehr fruchtbare Zusammenarbeit im Netzwerk und die
kompetente energietechnische Beratung leisten einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung am Standort mit Blick auf Wachstum, Investitionen und Arbeitsplätze.
Für die dritte Runde hat sich das Netzwerk weitere thematische Schwerpunkte vorgenommen: Neben der Energieeffizienz stehen nun auch die Themen Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung im Fokus. Um dafür die fachliche Unterstützung zu intensivieren, konnte zusätzlich zum Innovations und Technologieberater Fraunhofer IFF die BNWD Consulting GmbH als Berater gewonnen werden. Das Netzwerk umfasst nun zehn teilnehmende Unternehmen und läuft bis 2026.
Bildnachweis: Hans-G. Unrau/envia M-Gruppe; Christian Kortuem/envia THERM