gr-EEN VKU Wasser I

Das erste Energieeffizienz-Netzwerk der öffentlichen Wasserversorgung

Wie viel Potenzial zum Energiesparen auch in scheinbar alltäglichen Dingen liegt, haben zehn kommunale Unternehmen gezeigt. Ihr Produkt: Trinkwasser. Das bundesweit erste Energieeffizienz-Netzwerk für Trinkwasserversorger gr-EEN VKU Wasser I wurde im Frühjahr 2019 von den Landesgruppen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen/ Bremen des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) gegründet und im Jahr 2022 erfolgreich abgeschlossen. Wie Netzwerkmoderator Moritz Becker berichtet, haben die Netzwerkteilnehmenden pro Jahr etwa 1,45 Gigawattstunden (GWh/a) Endenergie eingespart.

Das gelang den Unternehmen unter anderem, indem sie auf den Netzwerktreffen im Detail die Themen betrachteten, die für die Trinkwasserversorger besondere Relevanz haben. So wurden beispielsweise Unterwasserpumpen, Mess- und Regeltechnik sowie Maßnahmen zur Rehabilitation der Trinkwassernetze einer detaillierten Prüfung unterzogen, um Potenziale für einen effizienteren Energieeinsatz zu identifizieren. Die Teilnehmenden diskutierten aber auch Zukunftsthemen, wie die Steigerung der Energieeffizienz durch Digitalisierung und den Einsatz künstlicher Intelligenz. Als Ziele setzten sie sich die Nutzung erneuerbarer Energien und die damit verbundene Reduzierung von Treibhausgasemissionen. Aus diesem Grund setzte sich das Netzwerk auch mit der Bilanzierung von Emissionen auseinander. Insbesondere haben Netzwerkteilnehmende den intensiven, praxisnahen Austausch unter „Gleichgesinnten“ in dem Branchennetzwerk als sehr positiv bewertet, wie Becker erläutert.

Das bestätigt auch Cornelia Pianko von der Harzwasserwerke GmbH. Die Harzwasserwerke mit rund 260 Mitarbeitenden verfügen über drei Talsperren- und vier Grundwasserwerke sowie zehn Wasserkraftwerke. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Hildesheim beliefert rund 70 Städte, Gemeinden und Wasserverbände, die anschlie­ßend den Transport des Trinkwassers bis zu den rund zwei Millionen Verbrauchenden übernehmen. Der Trinkwasserversorger hat von der Zusammenarbeit im Netzwerk profitiert. „Der Austausch im Kollegium der gleichen Branche war und ist sehr spannend und hat uns die Diskussionen sehr intensiv und detailliert führen lassen“, lobt Cornelia Pianko. „Die Nutzung von erneuerbaren Energien und die Reduktion von Treibhausgasen sind inzwischen obligatorische Zielsetzungen“, erläutert sie.

 

Der Austausch im Kollegium der gleichen Branche war und ist sehr spannend und hat uns die Diskussionen sehr intensiv und detailliert führen lassen.

Cornelia Pianko, Harzwasserwerke GmbH

 

Das bestätigt auch Cornelia Pianko von der Harzwasserwerke GmbH. Die Harzwasserwerke mit rund 260 Mitarbeitenden verfügen über drei Talsperren- und vier Grundwasserwerke sowie zehn Wasserkraftwerke. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Hildesheim beliefert rund 70 Städte, Gemeinden und Wasserverbände, die anschließend den Transport des Trinkwassers bis zu den rund zwei Millionen Verbrauchenden übernehmen. Der Trinkwasserversorger hat von der Zusammenarbeit im Netzwerk profitiert. „Der Austausch im Kollegium der gleichen Branche war und ist sehr spannend und hat uns die Diskussionen sehr intensiv und detailliert führen lassen“, lobt Cornelia Pianko. „Die Nutzung von Erneuerbaren Energien und die Reduktion von Treibhausgasen ist inzwischen obligatorische Zielsetzung“, erläutert sie.

 

Steckbrief gr-EEN VKU Wasser I

Typ
Branchennetzwerk
Netzwerkträger
VKU e.V. Landesgeschäftsstelle Nordrhein-Westfalen, VKU e.V. Landesgeschäftsstelle Niedersachsen/Bremen
Moderator
Moritz Becker, Green Navigation GmbH
Laufzeit
1. Runde: 21.03.2019 bis 20.03.2022; 2. Runde 01.04.2023 bis Ende: 31.03.2026
Teilnehmer
Harzwasserwerke GmbH, NEW NiederrheinWasser GmbH, Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband (1), Stadtwerke Duisburg AG (1), Stadtwerke Göttingen AG (1), Stadtwerke Lübbecke GmbH (1), SWO Netz GmbH (1), Trinkwasserverband Verden, Wasserverband Wittlage, Wasserverbund Niederrhein GmbH, Stadtwerke Bielefeld GmbH (2), enercity AG (2), Wasserversorgungsverband Tecklenburger Land (2)
Zusatzinfo
(1) nur 1. Runde
(2) nur 2. Runde

 

Austausch hilft, verdeckte Handlungsoptionen zu identifizieren

Ole Langenbach vom Wasserverbund Niederrhein nennt konkrete Vorteile, die der Austausch in einem Netzwerk bietet: „Durch die konsequente Umsetzung von technisch-wirtschaftlich sinnvollen Energieeffizienz-Maßnahmen wird es für uns immer schwieriger, neue Maßnahmen zu identifi­zieren und weitere Einsparpotenziale aufzudecken“, berichtet er. Die Teilnahme am Netzwerk der Initiative Energieeffizienz- und Klimaschutz-Netzwerke habe dabei enorm geholfen und helfe noch immer. Ein Grund, warum sich der Wasserverbund Niederrhein, ebenso wie die Harzwasserwerke, dafür entschieden haben, auch an der zweiten Runde im Nachfolgenetzwerk gr-EEN VKU Wasser II teilzunehmen.

Dass die Unternehmen im Netzwerk während der ersten Laufzeit trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie erfolgreich Energieeffizienz-Maßnahmen umge­setzt haben, zeugt für Netzwerkmoderator Moritz Becker vom Engagement der Teilnehmenden. Neben der Opti­mierung von Pumpen und der systematischen Reinigung von Rohrwasserleitungen – dem sogenannten Molchen – wurden unter anderem Frequenzumrichter, Druckluftkompressoren sowie Beleuchtungen ausgetauscht.

Insgesamt führten die Unternehmen 41 vorrangig gering­investive Maßnahmen durch, etwa die Hälfte mit Einspa­rungen von bis zu 20 Megawattstunden pro Jahr (MWh/a), eine Maßnahme davon mit Einsparungen von mehr als 300 MWh/a. Auf diese Weise konnten die Wasserversorger insgesamt 2.581 MWh/a an Primärenergie einsparen. Mit den somit erzielten jährlichen Energieeinsparungen von etwa 1,45 GWh haben die Unternehmen das ursprüngliche anvisierte Ziel des Netzwerks, 1,6 GWh an Endenergie pro Jahr einzusparen, fast erreicht. Außerdem konnten die Teilnehmenden durch ihre Maßnahmen rund 866 Tonnen an CO₂-Äquivalenten vermeiden. „Diese Erfolgsgeschichte wird nun in einer zweiten Runde fortgeschrieben. In einem ebenfalls über den VKU registrierten Netzwerk“, sagt der Moderator.

 

Nachfolgenetzwerk mit Fokus auf Treibhausgasemissionen

Das Engagement wird damit bis 2026 im Netzwerk gr-EEN VKU Wasser II durch fünf Unternehmen aus dem Vorgängernetzwerk und drei neue Teilnehmende fortgeführt. Dabei wird der Fokus nun auch stärker auf die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit bei der Trinkwasserversorgung gelegt. Neu dabei im zweiten Netzwerk sind die Stadtwerke Bielefeld GmbH, die enercity AG und der Wasserversorgungsverband Tecklenburger Land.

Die Zusammenarbeit konzentriert sich in der zweiten Lauf­zeit stärker auf die Reduktion von Treibhausgasemissionen. Dafür werden unter anderem die Errichtung von erneuer­baren Energieerzeugungsanlagen, die Transformation des vorhandenen Energiemanagements in Richtung eines umfassenderen Klimamanagements, verschiedene Energie­speichertechnologien sowie die mittelfristige Planung und Validierung von energiebezogenen Investitionen betrachtet.

 

Bildnachweis: shutterstock/Christian Schwier; pflug Fotografie/IEEKN