Mehrere Neuwagen in verschiedenen Farben stehen in einem modernen Autohaus
ecoistics.EffNaNet.Ford Netzwerke

Gemeinsam einem Ziel verbunden

Es war kurz nach Ostern 2018, als Netzwerkmoderator Dr. Gregor Weber die Geschäftsführung der Ford­-Werke GmbH einlud, das Konzept der Effizienz-­ und
Nachhaltig­keitsnetzwerke (EffNaNet) vorzustellen. „Das schlug ein“, erinnert er sich. Die Geschäftsführung habe einstimmig beschlossen, das Konzept ihren Vertriebspartnern zu emp­fehlen. „In nur sechs Monaten haben wir 70 Ford­-Autohäu­ser mit 200 Standorten begeistern und 13 Netzwerke grün den können“, sagt Weber, der Inhaber des Trägerinstituts ecoistics.institute und Entwickler des EffNaNet­-Konzepts. Ein Erfolg, der auch der Geschäftsstelle der Netzwerkinitia­tive im September des Jahres eine Meldung wert war. Denn das ecoistics.EffNaNet Ford 05 war das 200. Netzwerk der Initiative, zu dem sich fünf Autohäuser aus Bayern zusam­mengefunden hatten.

Der Fokus der Händler mit angeschlossenen Werkstätten lag vor allem auf der Optimierung energieintensiver Druckluftprozesse. Auch die Beleuchtung der Verkaufsräume wurde umgestellt. „Energie ist ein erheblicher Kostenfaktor im Unternehmen. Wir wollen sie effizienter nutzen, um unsere wirtschaftliche und ökologische Zukunft zu sichern”, sagte damals Jürgen Koppenhöfer, Geschäftsleitung bei der teilnehmenden AutohausEwald GmbH. Im ersten Schritt wurden dort Druckluft, Beleuchtung und Heizung überprüft und im Netzwerk gemeinsam Einsparmaßnahmen entwickelt.

 

Von der Initiative ausgezeichnet

Wie für viele Aktivitäten, die auf persönlichen Austausch und Gemeinschaft setzen, sorgte der Beginn der Corona­-Pandemie jedoch auch bei der Netzwerkarbeit für einen Dämpfer. „Durch Corona, unsere größte Herausforderung, haben sich die Abschlüsse der Einzelnetzwerke etwas verzögert“, erläutert der Netzwerkmoderator. Um dem entgegenzuwirken, war im November 2020 ein Bundestref­fen für EffNaNet­-Ford-­Netzwerke im Online-Format organi­siert worden. Eingeladen waren alle Ford­-Händler bundes­weit, auch solche, die bislang noch nicht an Bord waren. „Wir hatten Fachredner und Impulsvorträge von vielen Experten“, sagt Weber. Für ihn einer der Gründe, warum die Geschäftsstelle der Initiative Energieeffizienz- und Klima­schutz-­Netzwerke die Öffentlichkeitsarbeit der Ford­-Netz­werke auf der Jahresveranstaltung 2021 auszeichnete.

 

In nur sechs Monaten haben wir 70 Ford-Autohäuser mit 200 Standorten begeistern und 13 Netzwerke gründen können.

Dr. Gregor Weber, ecoistics.institute

 

Die Netzwerke waren mit dem Ziel gestartet, etwa 2 Giga­wattstunden (GWh) Endenergie pro Jahr einzusparen. Damit sollten 5.000 Tonnen CO₂-Äquivalente­ vermieden werden. Die teilnehmenden Autohändler konnten nach damaligem Stand mit insgesamt 420.000 Euro weniger Energiekosten rechnen. Am Ende der ersten Runde wurden die Ziele um den Faktor drei bis vier übertroffen. „Der Erfolg spricht für sich“, sagt Weber. Das habe zur Folge gehabt, dass Ford ein Video über die EffNaNet-­Netzwerke am Standort eines teilnehmenden Autohauses drehte. „Gemeinsam konnten unsere Partner einen signifikanten Beitrag zu Klimaschutz und Nachhaltig­keit leisten“, erklärte Gunnar Herrmann, bis Ende 2021 Vorsitzender der Geschäftsführung der Ford­-Werke dazu.

 

Mit kreativen Lösungen Energie sparen

Das Video zeigt das Beispiel des Autohauses Knapp im baden­-württembergischen Weinheim. „Die Beratung lief äußerst unkompliziert“, erklärt Geschäftsführer Thomas Knapp darin. Der Berater sei zu ihnen gekommen und habe eine Bestandsaufnahme und Verbesserungsvor­schläge gemacht. „Die Beleuchtung haben wir komplett erneuert im Autohaus, von Halogen auf LED.“ Das habe eine Energieeinsparung von 20 Prozent, beziehungsweise 13 Tonnen CO₂-Äquivalenten eingebracht. Zudem wurde der Kompressor der Druckluftanlage erneuert und mit einer Zeitschaltuhr versehen. Ein kreativer Einsparansatz des Geschäftsführers war zudem, die Tore im Winter nur auf Pkw­-Höhe öffnen zu lassen, um den Wärmeverlust zu ver­ringern. Geplant war laut Video damals außerdem, auf dem bereits begrünten Dach auf 700 Quadratmetern eine Photo­voltaik­-Anlage zu installieren. Damit sollten rund 80 Pro­zent des Tagesbedarfs an Strom des Autohauses gedeckt werden.

Die Selbstversorgung mit erneuerbaren Energien mithilfe von Solaranlagen ist dabei nur eine von vielen Maßnahmen, die innerhalb des Netzwerkes diskutiert und umgesetzt wurden. Unter den teilnehmenden Autohäusern und Werkstätten wurden unter anderem die Heizungen ausgetauscht, die Beleuchtung umgestellt, die Gebäude ertüchtigt, ein
Block­heizkraftwerk installiert, die Druckluftanlage optimiert und die Effizienz in den Lackierereien gesteigert. Zum Konzept der EffNaNet-­Netzwerke gehört außerdem die
Sensibilisie­rung der Mitarbeitenden, nicht nur auf Effizienz­- und Nach­haltigkeitsaspekte verstärkt zu achten, sondern auch selbst Ideen zu entwickeln und einzubringen.

 

Kleines Team mit maßgeschneidertem Konzept

Gregor Weber beschreibt die Vorteile, die er im EffNaNet­-Ansatz sieht: „Das ecoistics.EffNaNet­-Konzept wurde nicht, wie teilweise bei anderen Netzwerken von Organisationen mit großen Budgets entwickelt und organisiert, sondern allein von meiner Person.“ Bei der Umsetzung der Ford­-Netzwerke werde er durch den Ford-­Kollegen Stefan Welter unterstützt. Der Personalaufwand ist damit sehr gering. Das Konzept sei zudem maßgeschneidert auf die Bedarfe der Unternehmen und beinhalte eine ganzheitliche Betrach­tung weit über das Thema Energieeffizienz hinaus, hin zu Nachhaltigkeit, CO₂-Fußabdruck­, Klimaneutralität und den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Infolgedessen wurde das ecoistics.EffNaNet-­Konzept durch den Deutschen Nachhaltigkeitsrat als Projekt Nachhaltigkeit sowie mit dem Deutschen Industriepreis ausgezeichnet.

Für die 13 Ford­-Netzwerke hat sich die Teilnahme auf jeden Fall gelohnt. Statt der angestrebten 2 GWh im Jahr konnten ganze 8,7 GWh an jährlichen Endenergieeinsparungen erreicht werden. Damit konnten Treibhausgasemissionen in Höhe von 17.000 Tonnen CO₂-Äquivalenten­ und Energie­kosten von über 1,8 Millionen Euro eingespart werden.

 

Steckbrief ecoistics.EffNaNet.Ford Netzwerke

Typ
Branchennetzwerk
Netzwerkträger
ecoistics.institute
Moderator
Dr. Gregor Weber, ecoistics.institute
Laufzeit
01.08.2018 – 31.12.2021
Teilnehmer
ecoitics.EffNaNet.Ford 01, ecoitics.EffNaNet.Ford 02, ecoitics.EffNaNet.Ford 03, ecoitics.EffNaNet.Ford 04, ecoitics.EffNaNet.Ford 05, ecoitics.EffNaNet.Ford 08, ecoitics.EffNaNet.Ford 09, ecoitics.EffNaNet.Ford 10, ecoitics.EffNaNet.Ford 11, ecoitics.EffNaNet.Ford 12, ecoitics.EffNaNet.Ford 13, ecoitics.EffNaNet.Ford 14, ecoitics.EffNaNet.Ford 18

 

Weitere Netzwerke bauen auf Erfolgsmodell

Der Netzwerkträger will seine Arbeit weiter ausbauen. So haben drei Energie­- und Nachhaltigkeitskonferenzen für Ford-­Händler mit über 250 Teilnehmenden Ende 2022 in Crailsheim, Leipzig und Osnabrück den Grundstein für weitere Kooperationen gelegt. Eine weitere solche Konferenz folgte in Salzburg im Frühjahr 2023. Neben dem Netzwerk­konzept wurde dort vor allem über Möglichkeiten der kurz-­, mittel-­ und langfristigen Energieeffizienz und die Entwick­lung einer Klimaschutzstrategie bis hin zur Klimaneutralität referiert.

Im September 2023 wurde außerdem das 14. EffNaNet­-Netzwerk ecoistics.EffNaNet.pfm – medical gegründet, das zugleich das erste Netzwerk der Medizintechnik ist. Inner­halb der Laufzeit bis Herbst 2025 wollen die sechs teil­nehmenden Unternehmen und Standorte der pfm medical gmbh jährlich 694 MWh Energie einsparen.

Mit der Gründung des Netzwerks ecoistics.EffNaNet. besico ging auch das Engagement von Ford-­Händlern im Dezember 2024 in eine weitere Runde. Hier haben sich fünf Standorte der besico Sachsenland­-Gruppe zusammen­geschlossen, um gemeinsam Energieeffizienz­-Maßnahmen umzusetzen. Neben vier Ford-Autohäusern sind auch die besico-­Tribünen auf dem Sachsenring im Netzwerk vertre­ten.

Bildnachweis: shutterstock/Yakov Oskanov