Ein Kompressor eines Luftfilters hängt an einem Stahlteil in einer Maschinenhalle
ÖKOTEC-Netzwerk Energieeffizienz und Klimaschutz Hanse 2021

Norddeutsch mit langem Atem

Unter dem altehrwürdigen Titel der „Hanse“ haben sich 15 Unternehmen aus so unterschiedlichen Branchen wie Genuss­ und Nahrungsmittel, Gummi und Kunststoffe, Chemie sowie Stahl und Metalle zusammengefunden. Sie vereint nicht nur ihre – wie der Netzwerkname schon erahnen lässt – norddeutsche Herkunft, die in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen ansässigen Unter­ nehmen wollen gemeinsam sowohl weniger Energie als auch weniger Ressourcen verbrauchen.

Das ÖKOTEC­-Netzwerk Energieeffizienz und Klimaschutz Hanse 2021 hatte sich zum Ziel gesetzt, während der dreijährigen Laufzeit bis Ende 2023 8.864 Megawattstunden an Energie einzusparen. Energieeffizienz ist unter den beteiligten Unternehmen aber schon deutlich länger ein relevanter Aspekt ihrer Strategie.

„Einige der Teilnehmenden sind bereits seit 2009 in Vorläu­fern des Energieeffizienz­-Netzwerks Hanse aktiv und feiern quasi ihr 15­-jähriges Jubiläum“, erklärt der Moderator des Netzwerks, Steffen Held. 2020 erhielt das Vorläufernetzwerk Energie­- und Ressourceneffizienz Hanse die Auszeichnung „Vorreiternetzwerk für Klimaschutz“ der Netzwerkinitiative. Inzwischen ist das Netzwerk unter der bewährten ÖKO­TEC­-Flagge in seine dritte Periode gestartet. Seit Januar 2024 stehen im ÖKOTEC­-Netzwerk Energieeffizienz und Klimaschutz Hanse 3.0 unter anderem die Themen Dekar­bonisierung der Industrie, statistische Anlagenüberwachung, Last­ sowie Flexibilitätsmanagement und Steuerung der E­-Fahrzeugladung im Fokus.

 

Kritische Betriebsbegehungen etabliert

Als Teil der regelmäßigen Treffen zwischen den Teilnehmen­den hat sich eine Austauschrunde etabliert, die sich nicht nur mit positiven, sondern auch mit negativen Praxis­beispielen befasst. So gab es laut Held eine „kritische Betriebsbegehung“ mit Auswertung in der Feedback­-Runde am Ende der Treffen. Zudem wurde das Thema Energie­effizienz in der Automatisierung als zusätzlicher Fokus in die Arbeit des Netzwerks aufgenommen.

Zu den zahlreichen, innerhalb der zweiten Netzwerklauf­zeit umgesetzten Maßnahmen gehören unter anderem Optimierungen von Querschnittstechnologien, wie etwa bei der Bereitstellung von Druckluft und Kälte oder der Wärmeerzeugung. Auch die Effizienz von Belüftungs­- und Beleuchtungsanlagen konnte gesteigert werden. Um die Abwärmenutzung zu verbessern, wurden Wärme­-Quellen­-Senken­-Analysen durchgeführt, wie Held erläutert. Unternehmen des Hanse­-2021­-Netzwerks ergriffen zudem Maßnahmen zur Stromlastgangoptimierung.

 

Einige Teilnehmer sind bereits seit 2009 in Vorläufern des Energieeffizienz-Netzwerks Hanse aktiv und feiern quasi ihr 15-jähriges Jubiläum.

Steffen Held, ÖKOTEC- Energiemanagement GmbH

 

Blick über den Tellerrand

Wie wichtig den Netzwerkunternehmen dabei der Austausch und die Vernetzung auch über die Mitglieder hinaus sind, zeigte eine Reihe von Aktivitäten, die gemeinsam mit Verbänden und dem ÖKOTEC-­Mutterkonzern Veolia durch­geführt wurden. So haben sich mehrere Unternehmen am Energie­-Scouts­-Programm der DIHK-­Service GmbH beteiligt. Bei diesem Programm erhalten Auszubildende der Betriebe eine Zusatzqualifizierung, um Potenziale für die Einsparung von Energie und Ressourcen zu erkennen und Maßnahmen in ihrem Betrieb umzusetzen. Und 2019 führte das Vorgängernetzwerk eine Fördermittelaktion zum Thema Energieeffizienz und Prozesswärme durch, bei der auch andere Institutionen über Mailings und ein Online-­Tutorial vertiefend informiert wurden.

Auch Energierechtsthemen und die Digitalisierung der Industrie wurden im Netzwerk behandelt. Dabei spielte die ÖKOTEC­-Software EnEffCo® eine wichtige Rolle. „Die Eigen­marke EnEffCo® ist eine am Markt etablierte Softwarelösung für Energieeffizienz­-Controlling. Sie wurde mit unserer lang­jährigen Energie-­ und Prozesserfahrung aus Projekten mit Industrie-­ und Gewerbeunternehmen entwickelt“, sagt Held. 2023 feierte EnEffCo® bereits sein zehnjähriges Jubiläum.

Auf Initiative von Veolia haben außerdem Anstrengungen zu einer effizienteren Nutzung von Ressourcen Einzug in das Netzwerk gefunden. „Auch damit wird im End­effekt viel Energie eingespart“, betont Moderator Steffen Held. Dafür sei auch das VDI Zentrum für Ressourcen­effizienz kontaktiert und eingebunden worden. Im Auf­trag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) werden dort Instrumente zur Bewertung und Darstellung von Ressourceneffizienzpotenzialen erstellt. Die Netzwerk­unternehmen ließen sich innovative Ideen aus der Praxis vorstellen und diskutierten über mögliche Anwendungen in den teilnehmenden Betrieben.

Steckbrief ÖKOTEC-Netzwerk Energieeffizienz und Klimaschutz Hanse 2021

Typ
Regionales Netzwerk
Netzwerkträger
ÖKOTEC Energiemanagement GmbH
Moderator
Steffen Held, ÖKOTEC- Energiemanagement GmbH
Laufzeit
Netzwerk Energie- und Ressourceneffizienz Hanse; 01.01.2021 bis 31.12.2023; Hanse 2021; 01.01-2021 - 31.12.2023; Hanse 3.0; 01.01.2024 - 31.12.2026
Teilnehmer
BASF Catalysts Germany GmbH (1), (2), CP Kelco Germany GmbH (1), (2), Hauptgenossenschaft Nord AG, H. Schoppe & Schultz GmbH & Co. KG (2), Heidenreich & Harbeck Casting GmbH (1), (2), KVP Pharma+Veterinär Produkte GmbH (1), Lehmann&Voss&Co. KG (1), MEG Löningen GmbH (1), Montblanc Simplo GmbH, NOW - Nordische Oelwerke Walther Carroux GmbH & Co. KG, Ohly GmbH (1), RADICI PLASTICS GmbH (1), (2), Rüster GmbH, Schwartauer Werke GmbH & Co. KGaA (1), Valensina GmbH
Zusatzinfo
(1) Vorläufernetzwerk Energie- und Ressourceneffizienz Hanse
(2) Im Folgenetzwerk Hanse 3.0 registriert

 

Gruppenbild in einem Büro von Veolia

 

Offen für innovative Ideen

Auf Bestreben des Trägers ÖKOTEC konnte das „Hanse 2021“­-Netzwerk auch von Beispielen aus dem Hause Veolia selbst profitieren. So ist, laut Held, bei zwei der teilnehmenden Unternehmen inzwischen ein Berkelyt­-Katalysator im Einsatz, mit dessen Hilfe sich Biofilme aus Wasserkreisläufen entfernen lassen und so eine Einsparung von Chemikalien ermöglicht wird. Zudem standen mehrere Besichtigungen und Vorträge von bei Tochterunternehmen angewendeten Effizienztechnologien auf dem Programm: Abwärmenutzung zur Klärschlammtrocknung, Nachrüstung einer zusätzlichen Entsalzungsstufe zur bestehenden Ent­härtung, Umkehr­-Osmose­-Anlagen oder auch die Nutzung von Kaffeesatz zur Energieerzeugung.

Dass das Interesse der 15 Unternehmen an neuen Ansätzen und Lösungen weiterhin groß ist, zeigte eine Vereinbarung, nach der auf Wunsch der Teilnehmenden bei jedem Treffen mindestens eine innovative Idee oder ein Start-up in Sachen Energieeffizienz vorgestellt wird. Dabei haben die Unternehmen des Netzwerks immer noch nicht ausgelernt, sodass in der aktuellen 3. Netzwerkphase der produktive Austausch bis mindestens 2026 weitergeht. Hier haben sich die Teilnehmenden Energieeinsparungen von insgesamt mehr als 12.000 MWh pro Jahr vorgenommen.

 

Bildnachweis: shutterstock/FUN FUN PHOTO; Steffen Held/oekotec