Das Energieeffizienz- und Klimaschutz-Netzwerk dekarbN ist das erste Klimaschutz-Netzwerk der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft (FfE). Zuvor hatte der Netzwerkträger ein Jahrzehnt lang klassische Energieeffizienz-Netzwerke betreut. Das dekarbN zeichnet sich durch besondere Leistungen auf dem Weg zur Klimaneutralität und neue Ansätze in der Netzwerkarbeit aus.
Kernstück der Arbeit innerhalb des Netzwerks war die Entwicklung einer Dekarbonisierungsstrategie. So wurden den Netzwerkteilnehmenden im Erfahrungsaustausch vor allem Wissen und Methoden an die Hand gegeben, die in der Entwicklung und Umsetzung ambitionierter, aber auch realisierbarer standortscharfer Transformationskonzepte Anwendung fanden. Mithilfe der Erkenntnisse aus den Forschungsprojekten der FfE wurden die Potenziale unterschiedlicher Energieformen in der Industrie eingeordnet. So haben sich die Netzwerkteilnehmenden etwa mit potenziell verfügbaren Wasserstoffmengen im Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft beschäftigt sowie Technologien für die direkte Elektrifizierung von Industrieprozessen bei unterschiedlichen Temperaturniveaus in Hinblick auf die eigenen benötigten Temperaturen verglichen.
Erfolgreiche Netzwerkarbeit trotz Krisenmodus
Die Netzwerkunternehmen erhielten jeweils eine energietechnische Beratung durch das Industrieteam des Netzwerkträgers. Darüber hinaus wurde aber auch regelmäßig auf die breite energiefachliche Expertise der gesamten FfE zugegriffen. Auf diese Weise konnten Nachhaltigkeitsthemen jederzeit auch aus wissenschaftlicher Perspektive eingeordnet werden. Das half den Unternehmen, fundierte Entscheidungen zu treffen und gezielt entsprechende Maßnahmen umzusetzen.
Mit den Ansätzen des unmittelbaren Wissenstransfers aus der Forschungsgesellschaft in die Netzwerkwelt hinein und des Ausbaus methodischer Kernkompetenzen konnte das dekarbN auch die Jury der 7. Jahresveranstaltung der Initiative Energieeffizienz- und Klimaschutz-Netzwerke überzeugen. Dort wurde das Netzwerk aus dem Raum München im September 2023 für seine herausragende Netzwerkarbeit ausgezeichnet.
Im Netzwerk kommen sowohl branchenübergreifende Fragestellungen als auch die unterschiedlichen Vorgehensweisen in Abhängigkeit der jeweils verfügbaren Ressourcen zum Tragen.
Gestartet war das Netzwerk während des Höhepunkts der Covid-19-Pandemie. Aus diesem Grund konnten sowohl das Auftakttreffen als auch die ersten vier der quartalsweisen Netzwerktreffen lediglich im virtuellen Raum stattfinden. Der fehlende persönliche Austausch vor Ort war insbesondere in der Gründungsphase herausfordernd. Diese Hürde konnten die Netzwerkakteure aber gemeinsam nehmen, sodass sich das dekarbN trotz erschwerter Startbedingungen zu einem erfolgreichen Netzwerk entwickelt hat.
Krise verstärkt Einsparanreiz
Mit dem Abflauen der Pandemie wurden für die Netzwerkteilnehmenden erstmals Präsenztreffen mit regelmäßigen Betriebsbegehungen bei den wechselnden Gastgeberinnen und Gastgebern möglich. Auch über die fachliche Arbeit hinausgehende Programmteile wurden etabliert. Gemütliche Vorabendveranstaltungen in lockerer Atmosphäre trugen zur Stärkung des Gruppengefühls bei und steigerten die Diskussionsbereitschaft der Beteiligten. Auf die sich zuspitzende Gas- und Energiepreiskrise nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine reagierten die Netzwerkunternehmen, indem sie bereits geplante und auch zusätzliche Maßnahmen schneller umsetzten.
Für eine der Firmen gab die Energiekrise den Ausschlag, die Umsetzung einer bislang nur diskutierten PV-Freiflächenanlage anzugehen, zwei weitere Unternehmen erweiterten ihre PV-Dachanlagen. In einem Betrieb konnten durch die Verkleinerung des produzierten Sortiments und die damit verbundene Effizienzsteigerung der Produktionsabläufe zwölf Prozent Erdgas eingespart werden. Ein weiteres Netzwerkunternehmen plante, komplett auf Erdgas zu verzichten, und etablierte ein rund 30-köpfiges Team, um den Ausstieg voranzutreiben. Als erstes wurden zwei Erdgaskessel durch Wärmepumpen ersetzt werden.
Steckbrief dekarbN
- Typ
- Regionales Netzwerk
- Netzwerkträger
- Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft mbH (FfE)
- Moderator
- Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft mbH
- Laufzeit
- Februar 2021 bis März 2024
- Teilnehmer
- Altana AG, BMW Group, Canon Production Printing, Clariant AG, HAWE Hydraulik SE, Himolla Polstermöbel GmbH, MAN Truck & Bus SE, MTU Aero Engines AG, Papierfabrik Palm GmbH & Co. KG, Rosenthal GmbH, W.L. Gore & Associates
Weltkonzern und bayerischer Mittelstand
Der Austausch innerhalb der heterogenen Gruppe der Teilnehmenden – vom weltweit agierenden Konzern über internationale, familiengeführte Unternehmen bis hin zum bayerischen Mittelstand – war eines der Erfolgskriterien des Netzwerks. Durch die elf Unternehmen waren zehn unterschiedliche Branchen vertreten, was für eine große Vielfalt an Themen sorgte. Hier zeigte sich besonders das enorme Potenzial eines moderierten Erfahrungsaustausches.
Auch bei der Entwicklung von Dekarbonisierungsstrategien griff der Ansatz des Netzwerks, durch vielfältige Perspektiven zu lernen: Manche Unternehmen waren seit Jahren und mit breitem Verständnis zur Transformation des Energiesystems aktiv, andere Netzwerkteilnehmende beschäftigten sich erst seit Kurzem und mit starkem Fokus auf ihr eigenes Unternehmen mit entsprechenden Strategien in Richtung Treibhausgasneutralität. In den Netzwerktreffen konnten diese unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungswerte zusammengebracht werden. Das führte dazu, dass bei dekarbN die kleinen Unternehmen nicht nur vom Wissen der Großen profitierten, sondern gleichzeitig auch selbst wichtige Impulse und praxisnahe Ideen einbrachten.
Einsparziele deutlich übertroffen
Insgesamt wies das Netzwerk eine Mischung an Teilnehmenden mit langjähriger Netzwerk-Erfahrung und Netzwerk-Neulingen auf. Die erfahrenen Netzwerkerinnen und Netzwerker nahmen die Neuen mit, diese sorgten für frische Impulse. Dies funktionierte über verschiedene Arbeitsbereiche der Unternehmen hinweg – sowohl aus den Umweltzentralen und dem Nachhaltigkeitsmanagement der Betriebe kamen Impulse, als auch aus dem Energiemanagement und den Produktionsabteilungen.
Im Energieeffizienz- und Klimaschutz-Netzwerk dekarbN wurden im Ergebnis jährlich insgesamt 28,3 Gigawatt stunden (GWh) Endenergie und dadurch circa 9.500 Tonnen CO₂-Äquivalente eingespart. Somit hatte sich bereits zur Hälfte der dreijährigen Laufzeit abgezeichnet, dass das gesetzte Einsparziel von 18,4 GWh pro Jahr und einer damit verbundenen Reduktion des Treibhausgasausstoßes um 5.480 Tonnen CO₂-Äquivalente deutlich übertroffen werden wird. Um wie viel genau, wird das abschließende externe Monitoring der Netzwerkinitiative zeigen. Angesichts dieser positiven Bilanz überrascht es nicht, dass noch 2024 mit dem dekarbN 2 eine Neuauflage des Netzwerks mit seinem erfolgreichen Ansatz vereinbart wurde.
Bildnachweis: shutterstock/Oliver Britton